25 April 2010

Einleitung

Was ist Poker? Ein Kartenspiel, das ist klar. Aber was macht Poker aus? Warum grassiert das Poker-Fieber im Land? Warum läuft ständig Poker im Fernsehen, egal ob World Series of Poker (WSOP), World Poker Tour (WPT) oder European Poker Tour (EPT)? Warum verdienen Unternehmen wie PartyGaming Millionen? Warum können viele Menschen vom Poker und vor allem vom Online-Poker leben? Am besten, ich erzähle Ihnen von »meinem ersten Mal«:
Es war an einem kalten Herbstabend, und mir ging es wirklich schlecht, weil mein erstes Examen zwei Tage später bevorstand. Ich hatte eigentlich überhaupt keine Lust, an dem Abend noch irgendwas zu machen, als das Telefon klingelte. Ein Freund rief mich an und fragte mich, ob ich Lust hätte, Poker zu spielen. Poker kannte ich nur aus irgendwelchen schlechten Western und hatte noch nie gespielt. Mir graute es vor einem langweiligen Spielabend. Ich musste mich aber irgendwie ablenken, und so machte ich schließlich mit.
Einmal angekommen tauschte ich widerwillig und ein wenig gelangweilt 10 DM ein. Das Spiel ging los. Draw Poker mit 5 Karten. Ich bekam meine erste Hand. Drei Asse. Ich legte den Großteil meiner getauschten Chips in die Mitte des Tisches. Die erste Wette meines Lebens. Ich gewann die Hand am Ende mit einem Full-House, und als ich den Berg von Chips in der Mitte des Tisches an mich nahm, war es komplett um mich geschehen. Ab dem Moment, in dem ich die drei Asse auf die Hand bekam, wurde alles anders. Ich vergaß die Welt um mich herum. Für mich gab es nur noch das Spiel, und ich war wie im Rausch. Ich war glücklich. Es war ein toller Abend. Die 10 DM waren am Ende natürlich weg.
Poker ist mehr als nur ein Spiel. Poker ist für viele Menschen eine Einstellung und ein Lebensgefiihl. Poker ist auch eine Metapher für das Leben. Es enthält wesentliche Elemente des menschlichen Lebens: Glück und Pech, Gewinnen und Verlieren, Täuschen und Getäuscht werden und vor allem Geld. Aber Vorsicht! Poker ist nur ein Sinnbild des Lebens und nicht das Leben selbst. Nehmen wir das Beispiel von Stu Ungar. Er wird von vielen als der beste No-Limit Texas Ho/dem-Spieler aller Zeiten angesehen und gewann dreimal die World Series of Poker in Las Vegas. Man könnte annehmen, dass Stu Ungar dank seines Pokertalents auch im wahren Leben erfolgreich gewesen sein müsste. Leider ist er an den Folgen einer Kokainsucht gestorben und war finanziell total ruiniert, weil er einmal zum Beispiel eine Million Dollar beim Golfen verwettete. Das Problem war, dass er ein schlechter Golfspieler war.
Das ist natürlich ein Extremfall. Viele Fähigkeiten im Poker können Ihnen im wahren Leben weiterhelfen. Oft steht man im Leben wie beim Pokern vor den gleichen Fragen: Blufft er, oder macht er Ernst? Lohnt sich der Einsatz überhaupt? Soll ich lieber weitermachen oder aufgeben?
Sie werden in diesem Buch keinen Königsweg präsentiert bekommen, wie man ein toller Pokerspieler wird. Die gibt es nicht. Ich werde Ihnen aber die wichtigsten Konzepte des Pokerspiels vorstellen. Freuen Sie sich, denn wir werden spannende Themen durchnehmen. Sie lernen zum Beispiel ganz genau, wie man einen Spieler beim Bluffen erkennt und wie Sie selbst am besten bluffen. Wenn Sie dieses Buch gelesen haben werden, werden Sie genug über Texas Holdem Poker wissen, um eigenständig die richtigen Entscheidungen treffen zu können. Gute Entscheidungen sind im Poker bares Geld. Poker kann man ganz schnell lernen, aber es ist eine Kunst, es wirklich gut zu spielen. Diese Kunst zu erlernen muss nicht teuer sein. Man muss nicht nach dem Try and Error-Prinzip lernen. Lesen Sie dieses Buch, und Sie werden teure Fehler von Anfang an vermeiden können. Auch wenn Sie bereits ein erfahrener Pokerspieler sind, wird Die Poker-Schule Ihnen helfen, Ihr Spiel zu trimmen und erfolgreicher zu machen.
Eines zur Sprache. Poker ist ein amerikanisch geprägtes Spiel, und ich werde keine neue deutsche Pokersprache erfinden. Ich werde viele englische Begriffe verwenden, und das ist sehr wichtig, denn Sie wollen ja am Pokertisch verstehen, worum es geht. Sollten Sie etwas nicht verstehen, können Sie es sofort im Glossar nachschlagen. Die meisten Wörter werde ich jedoch direkt an Ort und Stelle erklären. Ich selbst habe die englische Sprache beim Poker nie als lästig empfunden. Im Gegenteil: Ich fand es immer wieder faszinierend, welche Ausdrücke die englische Sprache im Laufe der Zeit hervorgebracht hat. Nehmen Sie zum Beispiel das Wort für eine Straße mit zwei Lücken in der Mitte: Double-Belly-Buster-Straight, also eine »Doppel-Bauchschuss Straße«. Einfach toll, oder? Klingt doch viel besser als »Zwei Lücken-Straße«.

PS: Bitte geben Sie beim Poker nicht viel auf eine DoubleBelly-Buster-Straight. Es ist eine schwierige und nicht so gute Hand.

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25 April 2010

Poker Geschichte

Woher kommt das Spiel, das die Menschen so begeistert? Manche sagen, direkt aus der Hölle.
Die Spielkarten wurden im 13. Jahrhundert von den Chinesen erfunden, und um 1360 erreichten über Ägypten die ersten Spielkarten Europa. Die Ägypter spielten ein Kartenspiel, das »Ganjifa« oder »Treasure-Cards« genannt wurde, welches bereits Wettelemente enthielt. Die Karten waren aus Elfenbein. Die Perser spielten das Wettspiel »As-Nas« mit 25 Karten und einer Hierarchie der Hände.
Richtig zur Sache ging es im Europa des 17. und 18. Jahrhunderts. Die Deutschen spielten »Pochen« (von dem Wort pochen1 klopfen). Auf Englisch heißt klopfen »to poke«, womit auch die Herkunft des Wortes »Poker« geklärt wäre. Die Franzosen vergnügten sich mit »Poque«. Dies sind alles Spiele, die sich aus dem spanischen »Primero«-Spiel entwickelten, welches dem heutigen Pokerspiel schon sehr ähnlich war.
Zu seiner Blüte gelangte das Spiel aber erst, als französische Siedler das Spiel nach New Orleans/Louisiana brachten. Von dort aus verbreitete es sich vor allem über die Mississippi- Dampfer über ganz Amerika. 1834 warnte Jonathan H. Green als Erster schriftlich vor Poker. Er sprach vom »CheatingGame«, dem Schummelspiel, welches auf den Mississippi- Dampfern gespielt wurde. Es sind Berichte bekannt über Siedler aus Europa, die ihr gesamtes Geld innerhalb weniger Stunden auf Mississippi-Dampfern an Betrüger oder einfach an bessere Spieler verloren und sich anschließend erschossen. Nicht gerade der amerikanische Traum. Vor allem der Goldrausch brachte das Spiel in den amerikanischen Westen. Man kann sich vorstellen, dass es bei den Goldgräbern wegen ihrer Mentalität und des gefundenen Goldes mit Sicherheit viele spannende Spiele gab. Risikobereitschaft, ein knallharter Wille zum Sieg und eine kämpferische Einstellung waren danaals mehr denn je überlebenswichtige Eigenschaften und sind heute noch beim Poker von großer Wichtigkeit. Das Leben eines professionellen Pokerspielers in dieser Zeit muss wahrlich einem Sergio-Leone-Western geglichen haben.
Nachdem sich das Spiel in Amerika verbreitet hatte, wurde das englische Kartendeck mit 52 Karten eingeführt. Der Flush wurde geboren. Während des Amerikanischen Bürgerkrieges von 1861 bis 1865 wurden viele Varianten eingeführt, so zum Beispiel Draw-Poker und Stud-Poker. Die Straße als Hand wurde erfunden. Um 1919 wurde die erste Form von Texas Holdem gespielt. Vorher kannte man kein Poker mit Gemeinschaftskarten. Das Spiel hieß Wild-Widow, und bevor jeder Spieler seine fünfte Karte bekam, wurde eine Gemeinschaftskarte offen auf den Tisch gelegt, die die Spieler mit ihrem Blatt kombinieren konnten.
Das Westernimage begann in den 70er und 80er Jahren des letzten Jahrhunderts zu bröckeln. Man sah in den Card-Rooms von Las Vegas immer weniger Cowboy-Hüte, dafür aber immer mehr Mathelehrer und Universitätsprofessoren. In dieser Zeit erschienen auch die ersten ernstzunehmenden Pokerbücher von Doyle Brunson, David Sklansky und Mike Caro. 1970 fand die erste WSOP im Binion’s Horseshoe Casino in Las Vegas statt. Der Gewinner war Johnny Moss. Bei der ersten WSOP wurde der Sieger noch gewählt und nicht ausgespielt.
Heute ist Poker vor allem durch das Internet geprägt. Spieler können im Schlafanzug rund um die Uhr um hohe Einsätze spielen, ohne das Haus zu verlassen. Chris Moneymaker und Greg Raymer, die Gewinner der WSOP von 2003 und 2004, qualifizierten sich übers Internet. Dazu wird Poker seit einigen Jahren auch als Fernsehevent sehr populär, vor allem durch die Erfindung der sog. Hole-Card-Cam. Das ist eine Kamera, die die verdeckten Karten eines Spielers für die Fernsehzuschauer sichtbar macht.

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25 April 2010

Warum Texas Hold’em?

Auf dieser Seite wird fast ausschließlich von Texas Hold’em die Rede sein, weil dies die populärste Form des Pokers ist. Wenn Sie in eine Pokerrunde kommen und Sie wissen vorher nicht, was gespielt wird, so ist es meistens Texas Holdem, sei es als Turnier oder als Cash-Game, Limit oder No-Limit.

Die Regeln der wichtigsten anderen Pokervarianten werden jedoch beschrieben. Ich habe diejenigen ausgewählt, die meiner Meinung nach am meisten Spaß machen, nämlich SevenCard-Stud, Omaha High/Low, Draw-Poker und Razz. Über jede dieser Varianten könnte man ein eigenes Buch schreiben. Texas Hold’em Poker ist von den Regeln her sehr leicht zu lernen. Daher werden Sie auch bei dieser Variante die meisten unerfahrenen Spieler antreffen, was natürlich für Sie von Vorteil ist. Ein bekanntes Poker-Sprichwort besagt: »Man braucht nur eine Minute, um Texas Hold’em zu lernen, und ein ganzes Leben, um es zu meistern. « Zudem wird im Fernsehen fast ausschließlich Texas Hold’em Poker übertragen.
Texas Hold’em ist meiner Ansicht nach auch die aufregendste Form des Pokers. In keiner anderen Variante bekommt man so viel Action geboten. Jede Hand ist anders, und es gibt unendlich viele Möglichkeiten, zu gewinnen oder zu verlieren.

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24 April 2010

Dealer, Hole-Cards und Blinds

Der Dealer mischt ein Kartenspiel mit 52 Karten ohne Joker. Das Spiel kann von 2 bis 11 Spielern gespielt werden.
Der Dealer ist normalerweise ein Spieler, der selbst am Spiel beteiligt ist. Die Rolle des Dealers wandert von Runde zu Runde im Uhrzeigersinn. Der Dealer ist immer derjenige, der links vom vorherigen Dealer sitzt. Im Casino und in Spielen, bei denen sich jemand bereit erklärt hat, die ständige Dealerrolle zu übernehmen — bei Turnieren meist ein früh ausgeschiedener Spieler —, verwendet man einen Dealerbutton. Dies ist ein großer Chip, der immer beim jeweiligen Dealer liegt. Der Dealerbutton zeigt dem Dealer und den Spielern an, wer die gezwungenen Wetten, die Blinds, legen muss, wer am Zug ist, wer zuerst Karten bekommt usw. Der Dealer hat neben dem Kartengeben noch eine weitere Funktion: Er muss das Spiel vorantreiben und darauf achten, dass alles korrekt abläuft. Er ist verantwortlich für den geregelten Ablauf der Hand und entscheidet im Streitfall, wer recht hat. Er muss die Hand sozusagen moderieren.
Die zwei Spieler links vom Dealer setzen einen vorbestimmten Betrag als gezwungene Wette: zuerst der Small-Blind und dann der Big-Blind. Der Small-Blind beträgt zum Beispiel 1 € und der Big-Blind 2 €. Dies stellt sicher, dass Geld und damit Action ins Spiel kommt. Jeder Spieler erhält vom Dealer dann zwei verdeckte Karten, die so genannten HoleCards.

24 April 2010

Wettrunde

1. Wettrunde:
Die erste Wettrunde beginnt mit dem Spieler links vom Big- Blind. Nur in der ersten Wettrunde werden der Small- und der Big-Blind übersprungen, denn sie mussten ihre Wetten ja schon gezwungenermaßen legen. Der Spieler nach dem Big- Blind ist under the gun, was so viel heißt wie »von der Waffe bedroht«, also im Zugzwang.
Im Poker hat man grundsätzlich die Auswahl zwischen drei möglichen Spielzügen:
• Aufgeben, auch passen genannt.
• Mitgehen, auch call genannt, oder schieben, auch checken genannt, wenn vorher nichts gewettet wurde.
• Wetten, auch bet, erhöhen oder raise genannt, wenn schon einmal gewettet wurde.

Eine typische erste Wettrunde in einem Texas Hold’em-Spiel ist zum Beispiel:
Die Blinds legen ihre gezwungenen Einsätze, zum Beispiel 1 €12 €.
Spieler A, der under the gun ist, geht mit und legt 2 € hin. Spieler B erhöht um 2 € und legt somit insgesamt 4 € hin. Spieler C gibt auf.
Spieler D geht mit und legt 4 €.
Spieler E geht mit und legt 4 €.
Der Small-Blind und der Big-Blind müssen zum Mitgehen nur noch die Differenz zwischen Blind und momentaner Wetthöhe legen. Die Wetthöhe beträgt 4 € nach der Wette von Spieler A. Der Small-Blind muss also 3 € legen und der Big-Blind 2 €. Beide können natürlich auch noch mal erhöhen.
Die erste Wettrunde ist vorbei.
Wenn in der ersten Runde nicht gewettet wurde und jeder nur den Big-Blind mitgeht oder aufgibt, ist die Wettrunde vorbei, wenn der Small-Blind angeglichen hat und der Big-Blind von seinem Recht, als Letzter zu erhöhen, keinen Gebrauch macht. Wenn in einem Turnier nur zwei Spieler am Tisch sitzen — ein so genanntes Heads-Up-Spiel, ist der Dealer der Small-Blind und der andere der Big-Blind. Der Dealer muss dann in der ersten Wettrunde als Erster handeln und entscheiden, ob er den Big-Blind mitgeht, aufgibt oder erhöht. Ab der zweiten Wettrunde ist dann der andere Spieler als Erster dran.
 
2. Wettrunde: Flop
Nach der ersten Wettrunde kommt der Flop, die ersten drei Gemeinschaftskarten, auf den Tisch. Der Dealer legt die oberste Karte aus dem Stapel verdeckt weg und zeigt den Flop. Auf Englisch nennt man das to burn and turn (verbrennen und umdrehen).
Als Erster beginnt der Spieler links vom Dealer, der in der Vorrunde die Small-Blind legen musste. Er kann wetten oder schieben, also kein Geld setzen. Dann ist der nächste Spieler gefragt. Aufgeben macht keinen Sinn, da es noch nichts kostet dabeizubleiben, solange noch nicht gewettet wurde. Trotzdem werfen viele unerfahrene Spieler an dieser Stelle unnötig ihre Hand weg. Auch der nächste Spieler kann schieben. Schieben alle, so ist die Wettrunde vorbei und die nächste Karte kommt, ohne dass ein Spieler in dieser Wettrunde Chips in den Pot gelegt hat. Hat aber ein Spieler gewettet, kann man nicht mehr schieben. Man kann nur noch mitgehen, indem man die Wette angleicht oder erhöht, oder aufgeben. Es kann mehrmals rumgehen in einer Wettrunde, weil sich aus jeder Wette die Möglichkeit einer neuen Wette ergibt. Die Wettrunde ist erst dann vorbei, wenn die letzte Erhöhung von jedem verbliebenen Spieler mitgegangen wurde.
Je nach Vereinbarung kann die Anzahl der Erhöhungen pro Wettrunde eingeschränkt werden. Oft sind nur eine Wette und drei Erhöhungen, also Bet, Raise, Re-Raise und der sogenannte Cap, erlaubt.
 
3. Wettrunde: Turn
Nach der zweiten Wettrunde verbrennt der Dealer wieder eine Karte aus dem Stapel und legt anschließend die vierte Karte, auch Turn oder Fourth Street genannt, offen auf den Tisch. Es folgt die dritte Wettrunde, die genauso wie die zweite abläuft.
 
4. Wettrunde: River und Showdown
Nach der dritten Wettrunde verbrennt der Dealer noch einmal eine Karte aus dem Stapel und legt anschließend die fünfte und letzte Karte, auch River oder Fifih Street genannt, offen auf den Tisch. Jetzt kommt die vierte und letzte Wettrunde. Diese gleicht vom Ablauf her wieder der zweiten und dritten Wettrunde. Wenn sie vorbei ist, zeigen die Spieler ihre Karten, der so genannte Showdown. Derjenige, der zuletzt erhöht oder gewettet hat, muss als Erster seine Karten zeigen. Haben in der letzten Runde alle geschoben, zeigt derjenige seine Karten zuerst, der in der Runde als Erster dran war.
Hat ein Spieler gewettet, und alle anderen haben aufgegeben, so hat er den Pot gewonnen und muss seine Karten nicht zeigen. Dies kann auch schon in der ersten Wertrunde geschehen, so dass die Spieler überhaupt keine Gemeinschaftskarten zu Gesicht bekommen.
 
Es gewinnt der Spieler, der aus den sieben Karten, die ihm zur Verfügung stehen, also seinen zwei verdeckten Karten auf der Hand plus die fünf Gemeinschaftskarten, die beste Pokerhand kombiniert.
Da eine Pokerhand aus fünf Karten besteht, kann man auch einfach alle Gemeinschaftskarten benutzen. Man nennt es »das Board spielen«. In der Regel werden aber die Gemeinschaftskarten durch eine oder zwei der eigenen Karten noch verbessert.

24 April 2010

Reihenfolge der Hände

Die Reihenfolge der Hände ist, vom Wert her absteigend dargestellt, folgende:
 
1. Royal-Flush
Die bestmögliche und seltenste Hand im Poker: Ass, König, Dame, Bube und Zehn in der gleichen Farbe (suited). Der Spruch: »If you wanna see a Royal-Flush in a casino, you nmst go to the tollet«, den man hier nicht unbedingt übersetzen muss, sagt viel über die Häufigkeit dieser Kartenkombination aus.
 
2. Straight-Flush
Eine Straße in der gleichen Farbe. Eine Straße und ein Flush (fünf Karten mit derselben Farbe) ergeben zusammen einen Straight-Flush .
 
3. Four of a Kind
Vierling, auch Poker oder Quads genannt. Haben zwei Spieler den gleichen Vierling, weil sie das Board spielen, so entscheidet die höhere Beikarte.
 
4. Full-House
Ein Drilling und ein Paar. Das Full-House mit dem höheren Drilling gewinnt gegen das Full-House mit dem niedrigeren Drilling. Ist der Drilling bei den Spielern gleich, entscheidet das höhere Paar.
 
5. Flush
Beliebige fünf Karten in der gleichen Farbe ohne bestimmte Reihenfolge. Es gewinnt stets der Flush mit der höchsten Karte. Ist diese bei den Spielern gleich, entscheidet die zweithöchste Karte usw. Als Nut-Flus/, bezeichnet man den höchsten Flush in einer Runde, zum Beispiel mit einem Ass. Ein Flush-Draw ist ein Flush, bei dem noch eine oder mehrere
Karten fehlen und noch gezogen werden müssen (auf Englisch to draw).
 
6. Straße
Eine Straße, auch Straight genannt, sind fünf Karten in Reihenfolge, die nicht die gleiche Farbe haben. Eine »kleine« Straße, die aus vier Karten besteht, gibt es nicht. Es gewinnt immer die Straße mit der höheren Karte am oberen Ende. Die kleinste Straße beginnt mit dem Ass und endet mit der Fünf. Diese Straße wird auch Wheel oder Bicycle genannt. Es gibt keine round the corner street, also eine Straße, die zum Beispiel. mit dem König anfängt und mit der Vier endet.
Eine Open-End-Straight ist eine nach beiden Seiten hin offene Straße, bei der noch eine Karte fehlt. Ein Inside-Straight-Draw, auch Gutshot- oder Belly-Buster-Straight genannt, ist eine Straße, bei der noch eine Karte in der Mitte fehlt.
 
7. Drilling
Drei Karten mit dem gleichen Wert. Auch Trips oder 7hree of a Kind genannt. Bildet man den Drilling mit einem Paar, welches man auf der Hand hält, so spricht man von einem Set. Haben zwei Spieler den gleichen Drilling, so gewinnt der Spieler, der den höheren Kicker, also die höhere Beikarte, auf der Hand hat.
 
8. Two-Pair
Zwei Paare. Haben beide Spieler die gleichen zwei Paare, so gewinnt der Spieler, der die höhere Beikarte auf der Hand hat.
 
9. Pair
Zwei Karten desselben Wertes bilden ein Paar. Hat man das Paar auf der Hand, so heißt das Paar Pocket-Pair. Bildet man ein Paar mit seinen verdeckten Karten und der höchsten Karte des Boards, nennt man das Top-Pair. Bildet man ein Paar mit der niedrigsten Karte des Boards, nennt man es Bottorn-Pair. Haben zwei Spieler das gleiche Paar, so gewinnt der Spieler, der den höheren Kicker auf der Hand hat.
 
10. Höchste Karte
Auch High-Carl genannt. Wenn eine Pokerhand keine der oben genannten Kombinationen enthält, so zählt die höchste Karte. Ist diese bei den Spielern gleich, die zweithöchste usw. Zu beachten ist, dass beim Poker, im Gegensatz zum Skat, die Farbe der Karten für den Wert keine Rolle spielt. Pik ist also nicht höher als Karo und entscheidet im Zweifel nicht, wer gewinnt. Wenn der Wert der Hände gleich ist, wenn beispielsweise zwei Straßen die gleiche höchste Karte und somit denselben Wert haben, so wird der Pot geteilt. Das gilt auch, wenn die Gemeinschaftskarten die beste Hand bilden, also wenn zum Beispiel ein Full-House auf dem Board liegt, das kein Spieler mit seinen Karten auf der Hand verbessern kann.

23 April 2010

Limit Texas Hold’em

Beim Limit Texas Hold’em ist die Höhe der Wetten streng festgesetzt, sprich limitiert. Ein 2-€/4-€-Limit-Spiel wird so gespielt, dass in den ersten zwei Wettrunden der Wettbetrag auf 2 € festgesetzt wird. Man kann nicht mehr und nicht weniger wetten. In den letzten zwei Wettrunden, also ab der vierten Gemeinschaftskarte, kann man dann nur noch 4 € wetten oder um 4 € erhöhen.

23 April 2010

Spread Limit Texas Hold’em

Eine Variante, bei der man nur innerhalb eines vorher festgelegten Rahmens wetten darf. Jede Wette muss zudem größer sein als die Wette davor oder gleich. Reichen die Chips hierfür nicht aus, so ist ein All-In — das heißt, ein Spieler setzt all die Chips ein, die er noch hat — zulässig. Das Spread-Limit kann zum Beispiel 1 €14 € für die ersten beiden Wettrunden und 4 €/8 € für die letzten beiden Wettrunden betragen. Die Spieler können dann jeweils nur innerhalb dieser Grenzen wetten und erhöhen.

23 April 2010

Pot-Limit Texas Hold’em

Bei dieser Variante wird die maximale Höhe der Wette oder Erhöhung durch die aktuelle Größe des Pots bestimmt. Oft bildet die Höhe des Big-Blinds die Mindestwette. Der Spieler, der am Zug ist, muss also immer erst schauen, wie viele Chips im Pot liegen, bevor er mitgeht oder erhöht, um so seine maximale Wetthöhe zu bestimmen.
Wenn zum Beispiel 100 € im Pot sind und der Spieler vor ihm 100 € wettet, kann er maximal um 300 € erhöhen. Dies entspricht seinen 100 € zum Mitgehen plus 200 E, die nach der Wette des Gegners im Pot sind.
Aber Vorsicht! Pot-Limit Texas Hold’em steht von seiner Rasanz her dem No-Limit viel näher als dem Limit. Anfangs ist die Höhe der Wetten zwar noch relativ stark eingeschränkt, spätestens aber nach der zweiten Wettrunde steigt die maximale Wetthöhe sehr schnell an; wenn immer der ganze Pot gewettet wurde, sogar fast exponentiell.
Diese Variante verlangt sehr viel Aufmerksamkeit vom Spieler, da er neben vielen anderen Faktoren auch stets die Potgröße im Kopf haben muss. Nichts ist unangenehmer, als darauf hingewiesen zu werden, dass man überwettet hat, weil man die Potgröße gar nicht oder falsch bewertet hatte.

23 April 2010

No-Limit Texas Hold’em

No-Limit Texas Hold’em ist die meistgespielte Variante. NoLimit heißt, dass die Wetthöhe nicht festgesetzt ist. Der Spieler kann immer alle Chips wetten, die er hat. Der Spieler ist dann All-In. Bei dieser Variante ist die Mindesthöhe der Wetten oft festgelegt, in der Regel der gleiche Betrag wie der Big-Blind. Der berühmte Spieler Doyle Brunson nennt No-Limit Texas Hold’em »The Cadillac of Poker». In keiner anderen Variante von Texas Hold’em sind die Geldschwankungen so hoch wie bei No-Limit Texas Hold’em. Man wird viel öfter vor existentielle Entscheidungen um all seine Chips gestellt als bei den anderen Varianten.
Die offizielle Poker-Weltmeisterschaft (WSOP) wird als Hauptevent mit dem höchsten Preisgeld — 2006 waren es 14 Millionen Dollar — im No-Limit Texas Hold’em ausgetragen. In den meisten Pokerfernsehübertragungen, zum Beispiel ESPN, Eurosport und DSF, wird ebenfalls diese Variante gespielt, weil sie für den Zuschauer am spannendsten ist.
Bei keinem anderen Spiel kann man so schnell so viel Geld verlieren und gewinnen. Viele Casinos in den USA haben dies erkannt und schon vor Jahrzehnten angefangen, verstärkt Limit-Tische anzubieten, um die schlechteren Spieler nicht zu vergraulen.

22 April 2010

TJ Cloutier

TJ Cloutier hat weltweit bereits über 50 große Pokerturniere gewonnen und dabei zwischen 7 und 8 Millionen Dollar verdient. Er wird von vielen Spielern als der beste Turnierspieler der Welt angesehen. TJ spielte zunächst Profi-Football bei den Montreal Allouettes, als ihn eine Verletzung dazu zwang, seinen Sport aufzugeben. Danach betrieb er einen Nahrungsmittelhandel, der im Jahr 1976 pleiteging. Er fuhr mit seinen letzten 100 Dollar in der Gesäßtasche nach Texas, wo er ein halbes Jahr auf einer Ölbohrplattform arbeitete. An seinen freien Tagen spielte er Poker und fand bald heraus, dass er hiermit mehr verdienen konnte als mit seiner normalen Arbeit.

22 April 2010

Stu »The Kid« Ungar

Stuart »The Kid« Ungar wurde 1953 als Sohn jüdischer Einwanderer geboren. Mit 10 Jahren begann er in New York Gin-Rummy zu spielen. Das erste Turnier, an dem er teilnahm, gewann er und erspielte in der Folgezeit als Kind über 30.000 Dollar. Allerdings verlor er das meiste Geld wieder bei Pferdewetten. Seine Gin-Rummy-Karriere ging weiter, und er kam 1976 nach Las Vegas, wo er seine langjährige Freundin heiratete und eine Tochter bekam. Ein Hauptgrund, warum Stu mit dem Poker anfing, war einfach darin zu sehen, dass die gesamte Gin-Rummy-Action dieser Zeit durch ihn faktisch gestoppt wurde. Er war einfach zu gut. Stu konnte jeden Gegner besiegen. Der beste Spieler im Gin bis zu Ungars Erscheinen war damals Harry »Yonkie« Stein. Stein verlor in einem High-Stakes-Gin-Spiel so übel gegen Ungar, dass er seine Karriere schlagartig beendete und fortan in Gin-Rummy-Kreisen nicht mehr gesichtet wurde. Nach diesem Ereignis fand Ungar einfach niemanden mehr, der gegen ihn im Gin antreten wollte. Er war gezwungen, sich ein Handicap bei jedem Ginspiel zu geben. Er bot seinen Gegnern zum Beispiel an, jeweils die letzte Karte im Stoß anzusehen. Bei anderen Gelegenheiten bot Ungar an, in jeder Runde der Dealer zu sein. All das nützte nichts. Ungar gewann trotzdem jedes Spiel. Bei einer Gelegenheit schummelte ein Opponent. Ungars Bodyguard teilte Ungar dies mit. Ungar blieb ganz cool und sagte, dass er das schon längst wisse, es mache aber nichts, weil er ihn ohnehin schlagen würde. So geschah es dann auch. 1980 nahm Ungar zum ersten Mal an der World Series of Poker teil und gewann prompt, indem er die Pokerlegende Doyle Brunson besiegte. Von da an ging es weiter. Er gewann die WSOP erneut im darauffolgenden Jahr und noch mal im Jahr 1997. Stu Ungar war der beste No-Limit Texas Hold’em-Spieler aller Zeiten. Ich denke, das kann man hier an dieser Stelle so sagen. Er hatte ein photographisches Gedächtnis und einen sehr hohen IQ. Dazu hatte er das Kämpferherz eines Löwen. Es ist wirklich nicht übertrieben, wenn man sagt, dass Stu Ungar der Mozart des Pokers war. Leider hatte er über das Talent hinaus auch andere Eigenschaften, die Mozart ebenfalls hatte. Wie Mozart war Stu Ungar ein leidenschaftlicher Zocker. Er verzockte sein Geld, wo es nur ging, vor allem beim Golf. Als er das erste Mal in seinem Leben einen Golfplatz betrat, verlor er 80.000 Dollar. Insgesamt waren es Millionen. Darüber hinaus hatte Stu ein massives Drogenproblem. Er liebte Kokain, und das wurde ihm zum Verhängnis. Es scheint so, dass sich ein derart schneller Verstand einfach auch viel schneller langweilt und immer einen Kitzel braucht. Ob es das Zocken ist oder das Kokain. Ich denke, dass das Hirn von Ungar einfach nicht für das normale Leben gebaut war. Ungars Gehirn war eher wie ein Formel- 1 -Wagen, der nur für die Rennstrecke konzipiert ist, aber eben nicht für die Straße. Ähnlich war es bei Ungar. Sein Geist war für das Kartenspiel geschaffen. Im echten Leben versagte er. 1990 wurde Stu Ungar am dritten Tag der WSOP mit einer Überdosis Kokain auf seinem Hotelzimmer gefunden. Er musste ins Krankenhaus und konnte nicht weiterspielen. Sein ChipStack war aber bis dahin schon so groß, dass er am Ende noch den 9. Platz belegte, obwohl er nur noch weggeblindet wurde. Sein Preisgeld betrug 20.500 Dollar. Stu gewann immer sehr viel Geld beim Poker, um es danach komplett für Drogen und Sportwetten zu verschwenden. Stu war in seinem Leben viermal Millionär und viermal total pleite. Es war immer das gleiche Muster. 1997 gelang es ihm, nach 16 Jahren, den WSOP-Mainevent erneut zu gewinnen, was eine unglaubliche Leistung darstellt. Die Presse taufte ihn daraufhin »The Comeback-Kid«, und Stu hat den Sieg seiner Tochter Stephanie gewidmet. Den Gewinn verschleuderte er leider wieder für Drogen und Sportwetten. 1998 konnte er bei der WSOP nicht antreten, weil er von seiner Kokainsucht völlig geschwächt war. In den Folgemonaten lief er durch Las Vegas und bettelte um Geld. Er behauptete, er brauche das Geld, um wieder zurück an den Pokertisch zu kommen. Ein Bluff. In Wirklichkeit kaufte er sich Crack.
 
Am 22. November 1998 wurde Stu Ungar tot auf seinem Hotelzimmer aufgefunden. Die Todesursache war nicht eindeutig festzustellen, aber er ist wohl letztlich an den Folgen seines jahrzehntelangen Drogenkonsums gestorben. Es war nicht einmal Geld für eine Beerdigung vorhanden, so dass ein Freund von Stu, nämlich Bob Stupak, eine Kollekte veranstalten musste. Stu Ungar hat mit seinem außerordentlichen Talent insgesamt über 30 Millionen Dollar am Pokertisch gewonnen. Er hat als einziger Mensch dreimal die WSOP im Turniersystem gewonnen. Seine Tochter eröffnete die WSOP 2005 mit den Worten: »Shuttle Up and Deal.« Sie selbst spielt nicht.